Bangkok!!!
05.03.-09.03.2012
Der Montag sollte mit einer Überraschung aufwarten. Um 10.00 Uhr bekam ich einen Anruf von John, der mir sagte, ich hätte ein Spiel am Nachmittag. Es geschahen doch noch Zeichen und Wunder. Also aß ich gegen 12.00 Uhr zu Mittag und machte mich danach auf den Weg zum Hotel Nasa Vegas. Dort traf ich Kazouma, der ebenfalls in China war und mal wieder einen neuen Partner von John, welcher uns zum Spiel bringen sollte. Die Mannschaft, mit der wir spielen sollten, hieß TTM Phichit, ein Erstligist. Ich brauchte bereits eine Stunde zum Nasa Vegas und die Fahrt zum Spiel dauerte auch nochmal knapp eine Stunde. Bangkok halt. :) Das Match fand in einem kleinen Stadion statt und der Rasen machte einen sehr guten Eindruck. Sowas war ich gar nicht mehr gewöhnt. Die Truppe von TTM wartete bereits auf uns und mit ihnen natürlich noch 6-7 schwarze Probespieler. Wir bekamen direkt unsere Spielkleidung, zogen uns schnell um und wenig später ging es auch schon los. Zuerst erwärmten wir uns mit der gesamten Mannschaft und danach absolvierte die erste Elf noch ein extra Programm. Ich spielte mit Kazouma von Beginn an, er im Sturm und ich im Mittelfeld. Das System war ein Normales 4-4-2. Es war unglaublich heiß und es herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ich merkte, dass ich eine Woche nur Laufen war. Training und Spiel kann nicht durch normale Laufeinheiten ersetzt werden. Die erste Hälfte verlief durchwachsen. Unsere Mannschaft hatte große Probleme in der Defensive und deswegen konnte ich nur wenige Akzente in der Offensive setzen. Zur Halbzeit lagen wir mit 1-0 hinten. In der zweiten Hälfte wurde ich dann nach vorne beordert. Eigentlich meinte John zu mir, dass die Mannschaft einen 10er oder Spielmacher braucht, aber sie spielten ein System ohne diese Position und ich nun Stürmer. Naja ich kannte das ja bereits. Aber in meiner neuen Rolle spielte ich jetzt sehr gut, scheiterte am Pfosten und bereite mehrere klare Torchancen vor, die aber leider kläglich vergeben wurden. Zum Ende spürte ich auch die Hitze und meine Kräfte ließen langsam nach. Es sollte jedoch noch eine Halbzeit folgen, aber nicht mehr für uns. Ich war nicht ganz zufrieden mit dem Spiel, sah aber auch bei Weitem keinen besseren Probespieler. Das Niveau war wesentlich schlechter als in China und ich war fest davon überzeugt, wenn ich hier mehr Chancen gehabt hätte, dann wäre es bestimmt was geworden mit einem Vertrag. Erst mal abwarten, was heute bei rausspringt. Wir schauten noch die letzten 45 Minuten zu Ende und fuhren wieder zurück zum Nasa Vegas. Ich verabschiedete mich von Kazouma und suchte mir so schnell wie möglich ein Taxi. Diesmal hatte ich sogar Glück, denn ich fand direkt eins, welches mich auf Anhieb zurückbringen sollte. Das war nicht immer so einfach in Bangkok, denn viele Taxifahrer verlangten entweder viel zu viel Geld für weit entfernte Strecken oder fuhren erst gar nicht. Man hörte dann immer...Oh oh very far, very far. :D Mein Fahrer war auch ein lustiges Kerlchen und so hatte ich noch ein wenig Unterhaltung auf der Rückfahrt. Gegen acht war ich wieder im Hotel. Ich hatte natürlich richtig Hunger und ließ mir mit Imro frische Garnelen mit gebratenem Reis schmecken. Es war ein langer Tag, ich war relativ kaputt und müde. Später teilte mir Kazouma mit, dass John ihm geschrieben hätte, dass sie uns nicht brauchen. Schön, dass John mir auch persönlich bescheid gegeben hat. Was ein.....! Gut alles andere hätte mich auch schwer gewundert. Ich regte mich schon gar nicht mehr auf, nahm es so hin und schlief in Ruhe ein. Am Dienstag absolvierten Imro und ich eine lockere Laufeinheit mit ein paar Kräftigungsübungen im Anschluss. Eigentlich dachte ich, ich könnte mich nach dem Spiel von gestern gar nicht mehr bewegen, aber ich fühlte mich ganz gut. Ich war ja doch noch nicht so alt. :D Nachmittags rief sogar noch Gibby an, der andere Berater. Es stand schon wieder ein Spiel vor der Tür, und zwar mit Pattaya. Pattaya??? Da war doch mal was. Ja letzte Woche sollte ich dort schon mit Mate spielen, aber wie ihr ja wisst, wurde daraus nichts. Gibby meinte, er würde mich morgen Mittag anrufen und mich dann abholen. Ich sagte ihm aber auch noch deutlich, dass er rechtzeitig anrufen oder kommen sollte. Genauso gut konnte ich auch zu ihm kommen. Alles kein Problem sagte ich. Der Kerl war mir nicht geheuer und ich sah mich noch nicht spielen. Eigentlich wollten Imro und ich schon längst am Strand liegen, aber jetzt wollte ich noch abwarten, ob ich wirklich spielen sollte. Mate informierte mich abends, dass er bereits bei der Mannschaft war und mich gerne Morgen hier sehen würde. Liegt nicht an mir, erwiderte ich. Abwarten! Früh war ich wach am Mittwoch und wartete auf Gibbys Anruf. Die Zeit verstrich und nichts passierte. Auch als ich anrief und eine SMS schrieb, kam nichts zurück. 13.40 Uhr meldete sich Gibby dann und fragte, wo ich sei. Ich sagte ihm, im Hotel natürlich. Die Adresse hatte ich ihm bereits geschickt. Ich will es nicht länger herauszögern, Gibby hatte natürlich keinen Plan, wo ich war, und wollte mich wahrscheinlich auch gar nicht abholen. Er legte auf, meinte er ruft gleich zurück, um ein Taxi zu besorgen und von diesem Moment an, habe ich nichts mehr von Gibby gehört. Ist auch besser so. Was ein Vollidiot! Ich fragte mich, wie diese Kerle überhaupt Geld verdienen konnten, geschweige denn Spieler vermitteln. Das war noch einmal der Gipfel zum Ende und der krönende Abschluss der letzten Wochen. Erst vor Kurzem hat ein 19-jähriger Afrikaner Selbstmord begangen. Auch er wurde ständig von windigen Beratern von Verein zu Verein befördert. Sein letztes Geld hatte er nach Hause geschickt zur Familie, es stand kein Vertrag in Aussicht, ein Rückflugtickticket konnte er sich nicht mehr leisten und keiner seiner tollen Agenten gab ihm auch nur einen Cent. Sein letzter Ausweg war also der Suizid. Traurig, aber die nackte Wahrheit. Teilweise ging es hier zu wie im Dschungel. Die Spieler wurden nur als Ware gesehen und wie Tiere hin und her geschoben. Wer nicht stark genug war, blieb auf der Strecke. Frank und Willi will ich abgrenzen von diesen Typen, aber ich habe ihnen auch klar gesagt, dass ihre Partner eine totale Katastrophe sind. Ihr braucht euch aber um mich keine Sorgen machen Muttchen und Papaaa und meine lieben Freunde. Mich kriegen die nicht klein und jetzt können sie mich alle mal gerne haben, denn nun mach ich Urlaub. Am Abend buchte ich mit Imro ein Hotel am Strand in Pattaya und von da aus wollen wir weiterreisen auf eine der zahlreichen schönen Inseln Thailands. Der Traum scheint erst mal zerplatzt, doch trotz allem war es eine unglaublich interessante und coole Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Was ich erlebt habe, kann mir keiner nehmen und ich würde alles wieder so machen. Frank schreibt mir jeden Tag, dass ich zurück nach Vietnam kommen soll, denn Ende März öffnet dort die 2. Transferperiode, aber momentan will ich einfach nur abschalten und in Ruhe Urlaub machen. Tja so siehts aus im Fernen Osten und ab nächster Woche könnt ihr mich hoffentlich am Strand von Koh Nangyuan bewundern.....