Kunming!!!
31.01.-05.02.2012
Die nächsten Tage hatten immer denselben Ablauf. Wir trainierten, spielten und dazwischen aßen wir. Wie es ja eigentlich auch normal ist im Trainingslager. Dienstagmorgen war pünktlich um 8.00 Uhr Frühstück. Danach gingen wir nur etwas laufen und absolvierten ein Programm im Kraftraum. Nachmittag war frei. Nach dem Mittagessen traf ich Gledson und fragte ihn, wie es lief. Er war sehr unglücklich. Der Trainer des neuen Clubs mochte ihn wohl nicht wirklich und die letzte Einheit durfte er schon nicht mehr mittrainieren. Gledson war völlig aufgelöst und wollte am liebsten nur noch nach Hause. Er vermisste seine Frau und seinen kleinen Sohn. Sie hatten nur einen Computer, den Gledson dabei hatte und deswegen konnten sie nicht skypen. Seine Telefonkarte war ebenfalls leer. Oh mein Gott! Der Junge wirkte so was von verloren. Ein paar Tränen kullerten und ich nahm ihn in den Arm. Ich sagte ihm, dass ich am Nachmittag in die Stadt fahren würde und eine Telefonkarte besorge. Er war glaub ich sehr froh, dass ich da war, und bedankte sich in einer Tour. Falls irgendwas sei, konnte er auch immer auf mein Zimmer kommen, sagte ich anschließend noch. In dem Sinne verabschiedete ich mich von ihm. Er tat mir richtig leid und er war das beste Beispiel dafür, wie schnell man hier auch kaputt gehen kann. Wir waren Tausende von Kilometern von zu Hause entfernt, weg von Familie und Freunden und meist auf uns allein gestellt. Da brauchte man schon einen starken Charakter und Willen, um das durchzustehen. Denn es lief nicht immer alles nach Wunsch, wie ihr seht. Ich suchte Joseph und Eason, der heute gekommen war und zusammen machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir nahmen ein Taxi und nach zehn Minuten sollten wir zwar nicht die Stadt, aber eine kleine Einkaufsstraße erreichen. Ich suchte direkt das nächste Handygeschäft auf. Joseph brauchte ebenso eine neue SIM-Karte. Eason fragte nach und die Verkäuferin erklärte ihm, dass man für internationale Anrufe eine extra SIM brauchte sowie eine dazugehörende Vorwahl. Außerdem konnte man nicht erreicht werden, wenn man kein Guthaben auf seiner Karte hatte. Unglaublich verrückt. In China war halt alles anders. Nach einem ständigen Hin und Her hatten wir es dann endlich geschafft, unsere neuen Telefonkarten zu bekommen. Ich kaufte direkt eine für Gledson mit. Viel gab es nun nicht mehr zu sehen und Eason machte den Vorschlag zum Green Lake zu fahren. Dies war wohl einer der schönsten Attraktionen Kunmings und lag direkt neben dem Trainingsgelände.
Der See war wirklich atemberaubend und dahinter sah man schon den Berg Xishan. Ein toller Anblick. Kunming lag ungefähr auf 2000 Meter Höhe und war dadurch sehr beliebt als Höhentrainingslager. Wir spazierten gemütlich die Promenade entlang und genossen den herrlichen Ausblick. Eine wirklich gute Idee von Eason. Ich machte viele schöne Bilder. Die Chinesen waren natürlich ebenfalls wieder zahlreich vertreten. ;) Ihre Lieblingsbeschäftigung war es, die zahlreichen Möwen zu füttern.
Wir schlenderten gemütlich in Allerseelenruhe eine gute Stunde auf und ab. Der angrenzende Park verführte auch zum Spazierengehen.
So konnte ich auch meine Verletzung vergessen. Langsam begaben wir uns nun auf den Rückweg. Wir hatten genug von der erholsamen Natur. ;) Nach dem Dinner übergab ich Gledson die Telefonkarte und sagte ihm die Nummer, die er vorwählen musste, um nach Hause zu telefonieren. Er war überglücklich und rief direkt an. Es war zwar noch nachts in Brasilien, aber ich glaube das störte niemanden in dem Moment. Ich freute mich für ihn, ließ ihn erst mal in Ruhe quatschen und zog mich aufs Zimmer zurück. Eason sagte mir später, dass Morgen schon wieder das nächste Spiel sei. Der Oberschenkel fühlte sich besser an, aber noch nicht optimal. Ich informierte Frank und wir kamen überein, dass ich versuchen sollte, eine Halbzeit richtig Gas zu geben, gut zu spielen und danach mit Magenschmerzen rausgehen sollte. Da würden die Chinesen nie was sagen, weil sie dann dachten, ich als Ausländer vertrage das Essen nicht. So weit so gut. Hoffentlich klappte auch alles wie vereinbart. Mittwochfrüh nahm ich bereits eine Voltaren, um auf die Schmerzen einzuwirken. In der morgendlichen Einheit, trainierte ich so gut es ging mit Auge und merkte den Oberschenkel nur geringfügig. Bevor es zum Spiel ging, nahm ich noch eine weitere Voltaren, damit ich auch wirklich nichts mehr spüren sollte.
Ich erwärmte mich intensiv und die Schmerztabletten taten ihr übriges. Ich merkte nichts. Das Spiel lief super. Es klappte so gut wie alles. Ich hatte unglaublich viele gute Szenen und bereitete mit einem Zuckerpässchen das 1-0 vor. ;) Kannste nich lernen. :D Leider bekamen wir noch den Ausgleich, aber das störte mich weniger. Zur Halbzeit sagte ich dann ich hätte Magenprobleme und ging raus. Jiang, der Partner von John, war beim Spiel und sehr zufrieden mit meiner Leistung. Er sprach leider nur chinesisch und so konnte ich nur über Eason mit ihm kommunizieren. Ich sagte ihm, dass er John anrufen sollte, was er auch direkt tat. John teilte ich mit, dass das Spiel sehr gut war und ich denke es war an der Zeit nun mal nachzufragen, wie es weitergehen sollte. Ich hatte 2 gute Leistungen abgeliefert und nun war der Verein an der Reihe sich zu äußern. John sah das ähnlich und wollte Jiang informieren, die Gespräche zu forcieren. Gledson hatte sich das Spiel ebenfalls angeschaut und meinte, er würde mich sofort verpflichten. :) Er war jetzt bei keinem Verein mehr und blieb erst mal bei Jiang im Hotel, bis er seinen Flug nach Brasilien ändern konnte. Später sprach ich noch mit Frank, sagte ihm das Gleiche wie auch schon John und er teilte meine Meinung. Später am Abend rief er mich zurück und erzählte mir, dass der Verein sehr zufrieden mit mir sei und sie in den nächsten Tagen einen Vertrag fertigmachen wollen. Super sagte ich, aber ich wusste auch, dass hier alles erst in trockenen Tüchern war, wenn ich unterschrieben hatte. In Asien war heute alles top, aber morgen konnte das schon wieder ganz anders aussehen. Da spielte es keine Rolle, ob man in China oder Vietnam war. Donnerstag stand nur eine lockere Einheit an. Nachmittag war wieder zur freien Verfügung. Frank teilte mir die Zahlen mit, die der Verein nannte, und erklärte mir, dass Jiang heute und morgen mit dem Trainer und dem Präsidenten essen geht, um alles unter Dach und Fach zu bringen. In China wurden die Verträge beim Essen, Karaoke oder in der Sauna ausgehandelt. :D Da war ich mal gespannt. Freitag war schon wieder ein Match und ich wollte auf keinen Fall spielen, meinte ich zu Frank. Am Nachmittag schlief und erholte ich mich. Später sollte Jiang die Gespräche führen und ich war gespannt, was dabei rauskam. Ich hörte nichts weiter und war schon im Bett, da rief mich Frank gegen 24.00 Uhr an. Er meinte alles wäre super, sie wollen nur noch ein Spiel von mir sehen, und wenn ich die Leistung bestätige, würde ich sofort unterschreiben. Ich sagte Frank, dass ich bereits zwei gute Spiele gemacht habe, ich mich nicht gut fühle und nur verlieren kann. Er sah das ein, meinte aber das ich nur noch 45 Minuten durchhalten sollte. Nicht besonders glücklich willigte ich ein. Immer noch ein Spiel, noch ein Spiel...Ich verstand es nicht und legte mich zähneknirschend hin. Das Spiel war morgens und deswegen nahm ich direkt zum Frühstück mal wieder zwei Voltaren und vor dem Spiel noch eine weitere. Beim Aufwärmen spürte ich nichts, aber bereits nach zehn Minuten im Spiel merkte ich meinen Oberschenkel. Ich hätte kotzen können. Wir spielten auch noch gegen ein Super League Team und sahen nicht gut aus. Die gesamte Mannschaft spielte schlecht und ich konnte ebenfalls nicht so glänzen, wie in den vorangegangenen Spielen. Zu allem Überfluss gab es jetzt auch noch einen Stich im Oberschenkel. Da gleich Halbzeit war, änderte das eh nichts mehr an der gesamten Misere. Ich war sauer und meinte zu Eason, dass er Jiang sagen soll, dass es bei mir nicht mehr weitergeht. Zum Ende stand ein stattliches 0-4 zu Buche und ich war verletzt. Super Bilanz! Jetzt war ich gespannt, ob alles noch so laufen würde, wie es besprochen war. Nach dem Lunch rief ich Frank an und ließ meinen ganzen Frust raus. Ich sagte ihm, dass es der größte Bullshit war zu spielen, einfach ein riesen Fehler. Er versuchte beruhigend auf mich einzuwirken, aber es gelang ihm nicht wirklich. Wir warten jetzt ab, meinte er letztendlich. Samstag trainierte ich nicht. Ich skypte mit meinen Ellies, berichtete, dass die Woche eigentlich ganz gut lief, aber ich nun Probleme mit meinem Oberschenkel habe. Sie konnten jedoch ebenfalls genau wie ich nur abwarten und hoffen das es endlich klappen würde mit einem Vertrag. Sie wünschten es mir auf jeden Fall von Herzen. Samstagabend kamen bereits neue Probespieler. Jiang rief mich noch total verwirrt an, ich verstand kein Wort bis er mir Gledson gab, der mir wenigstens halbwegs sagen konnte, was los war. Jiang würde mich gleich vorm Hotel abholen. Warum und wohin es gehen sollte, wusste ich nicht. Es war auch bereits 22.00 Uhr. Ich zog mich an, ging runter und er warte schon. Wir fuhren erst mal zu Gledson ins Hotel. Jiang redete wirres Zeug, was keiner verstand und meinte dann er müsste zwei neue Spieler vom Flughafen abholen. Ich wartete so lange mit Gledson im Hotel. Gledson wusste auch nicht, was eigentlich los war. Es dauerte ganze zwei Stunden bis Jiang wieder erschien. Er sagte nur go, go ,go und wir verließen das Hotel. Er führte uns zu einem
nächtlichen Markt, wo man noch was Essen und Trinken konnte.
Er bestellte eine Menge vom Grill und lud uns sowie den Taxifahrer auf ein Bierchen ein. Ich wusste zwar immer noch nicht, was ich hier sollte, aber ich ließ mir die Grillspieße und das Bier schmecken. Das konnte ich im Moment gut gebrauchen. Ich fragte ihn, was nun mit mir sei und was er mit dem Trainer besprochen hätte. Alles, was ich aus ihm herausbekam, war wait, wait. Das war ja sehr viel Information. :D Wir fuhren zurück zum Hotel, ich sollte heute nicht mehr zurück ins Trainingscamp, weil es wohl zu spät war, und so schlief ich mit bei Gledson und Jiang im Zimmer. Ich machte es mir auf dem Boden gemütlich...;)